Hypothermie-Unterkühlung im Wildwasser
Gestern waren wir mal wieder auf der Unteren Murg unterwegs. Zwar nicht ganz so viel Wasser wie die Tage zuvor aber zum Paddeln reichte es auf alle Fälle. Kurz unterhalb des Schrägwehr bemerkten wir ein Paddler der nahe am Ufer im Wasser stehend versucht sein Boot von den Steinen zu lösen. Wir setzten natürlich gleich ins nahe liegende Kehrwasser um ihm bei seiner Bergung zu unterstützen. Die erste Frage ist selbstverständlich: “Was isch passiert”? 2 Paddler waren auf der Unteren Murg unterwegs und irgendwie gingen beide baden. Material überall so weit das Auge reicht.
Nach einer kurzen Musterung seiner Wildwasserbekleidung erschien uns die vorige Erläuterung seiner Schwimmaction und die damit verbundene Bootbergung, etwas zu heftig für unseren Geschmack. Generell ist es unserer Meinung nach nicht sehr empfehlenswert mit einer kurzen, dünnen Neoprenhose in unserem Breitengrad Kayaken zu gehen. Weshalb, versteht sich wohl von selbst. Wer trotzdem etwas “Auffrischung” hinsichtlich Unterkühlung benötigt, sollte den folgenden Text, verfasst von Ralf S.( kanadier.gps-info), genau durchlesen!
Zur Unterkühlung
Kaum jemand macht sich Gedanken über das gefährlichste Phänomen, mit dem der Paddler von der einen auf die andere Sekunde konfrontiert werden kann - der Unterkühlung (medizinisch: Hypothermie) - dem schleichenden Tod.
Was hat es mit diesem lautlosen Killer auf sich ?
Hypothermie ist der allmähliche geistige und physische Kollaps, der die Unterkühlung der inneren Organe und aller Bestandteile des menschlichen Körpers begleitet.
Sie wird beim Paddler in den meisten Fällen durch Eintauchen in kaltes Wasser ausgelöst.
Dies ist besonders gefährlich, da Wasser eine ca. 20-fach höhere Wärmeleitfähigkeit als Luft besitzt was dazu führt, dass dem Körper sehr schnell die lebensnotwendige Wärme entzogen wird.
Im ungünstigen Fall wird die Hypothermie nach der Rettung aus dem Wasser noch durch kalte Luft und Nässe, Wind und Erschöpfung verstärkt (besonders fatal ist dann die Kombination von Nässe und Wind).
Der Körper verliert dabei schneller Wärme, als er sie zu produzieren vermag.
Wärmehaushalt des Körpers
Unser Körper ist auf seinen Wärmehaushalt angewiesen.
Bei sportlichen Übungen produziert er Wärme, wenn man im Sessel herumlümmelt, bewegt man sich am anderen Ende des Wärmehaushalts.
Man benutzt Kleidung, um zu verhindern, daß Wärme an die Umgebung abgegeben wird.
Sobald man zu frieren beginnt, kann man Bewegungsübungen machen um wieder wärmer zu werden, oder mehr Kleidung anziehen, um die vorhandene Wärme zu konservieren/ besser zu isolieren.
Man erkennt, welche Probleme der Paddler hat, denn beide Möglichkeiten stehen ihm nur sehr beschränkt zur Verfügung, vor allem im Fall einer Kenterung.
Das Wasser, in dem er sein unfreiwilliges Bad nimmt, ist in der Regel sehr kalt und entzieht dem Körper sehr schnell Wärme.
Schmelzwasser hat im Frühjahr nur wenig über 0° C und auch im Sommer steigt die Wassertemperatur von Gebirgsflüssen nur wenig über 10 °C.
Eine Unterkühlung tritt aber nicht nur beim Bad in eiskaltem Gebirgswasser auf und trifft somit vor allem den Wildwasserfahrer, sondern eine Unterkühlung entwickelt sich in vielen Fällen schon bei einer Lufttemperatur von +10° C - eine Temperatur, die von kaum jemand als gefährlich angesehen wird und auch den Wanderfahrer in akute Lebensgefahr bringen kann.
Wichtigste Vorbeugemaßnahme um einer Unterkühlung entgegenzuwirken ist das tragen zweckmäßiger Kleidung.
Es ist immer wieder bemerkenswert wie verschieden Paddler auf derartige Empfehlungen und Aufklärung reagieren. Generell gilt es zu sagen. Wer pflegt zu meinen das es bisher immer gut ging, das bin ich so gewöhnt oder Neoprenanzug engt mich ein, sollte sich meiner Meinung nach in ne Badewanne voll mit etwa 4 Grad kaltem Wasser(etwa Ötztaler Ache) legen und darin mal so en bisschen seine Quitscheende beobachten. Ja ja, ich weiß, dass der Schniedewutz erschreckend kleiner wird ist auch ein Phänomen aber viel interessanter ist was mit meinen Armen, Beinen und Kreislauf schon nach wenigen Minuten passiert…….Wer sich nun vorstellt in diesem Zustand eine erfolgreiche Rettungsaktion durchführen zu können verfügt über einen sehr strak ausgeprägten Optimismus. Als Schwimmer bringe ich mich selber in Gefahr und bei lang andauernden Rettungsactionen bin ich schon bereits nach wenigen Minuten nicht mehr in der Lage volle Konzentration und Handeln zu gewährleisten und bringe womöglich Beteiligte unnötig in Gefahr. Zusammenfassend ergibt sich also nicht nur eine Eigenverantwortung sondern auch Frage der Moral gegenüber meinen Mitpaddlern..





