Auf Rekordschneefälle auf Korsika folgt die Rekordreisewelle der Paddelszene aus ganz Europa. »Ich fahr nach Korsika« ist wohl der meist gehörte Satz im Paddelfrühling 2009. Seit mehr als 30 Jahren, ist die Insel im Mittelmeer das beliebtesten Frühjahrspaddelrevier. Dank des schneereichen Winters zieht es dieser Tage mehr Paddler denn je auf die Insel. Während die heimkehrenden Paddler vom »besten Korsikaurlaub aller Zeiten, mit ideal Wasserständen« sprechen, fiebern andere dem großen Abenteuer erst entgegen.
Nicht nur Paddelspaß, sondern auch ein wenig Protest
beim paddeln auf der Mittelmeerinsel „Korsika” zu Ostern 2009.
Aber auch Kundgebungen und Protestaktionen überschatten den Paddelspaß auf Korsika. Wieder müssen ganze Regionen, Täler und Landstriche einem Staudamm, nebst Wasserkraftwerk weichen. Einer der schönsten Flüsse und Bergregionen sind für immer verloren. Der Rizzanese, Lieblingsfluss vieler Extrempaddler, sowie seine Zuflüsse werden ab 2012 in einem Stausee verschwinden. Einige sehr schöne Bergdörfchen, werden dann nicht mehr wie Schwalbennester am Berg hängen, sondern am See stehen oder im See verschwinden. Angesichts dieser Baustelle, die mich bei einer meiner letzten Befahrungen in diesem Jahr schockierte ist mir nicht klar, ob die Gewinnung von Strom aus einem nur im Frühjahr wasserführendem Fluss diese Zerstörung rechtfertigt.
Aber nun zu meinem Paddelbericht von der Insel. Seit nun schon 14 Jahren begleite ich Gruppen aus Deutschland zum paddeln nach Korsika. Durch meine großen Erfahrungen im schwerem Wildwasser, im Alpinen Gelände und mit der Mittelmeerinsel, begleiten ich immer wieder gern Paddler die solche Abenteuer lieben. So auch in diesem Jahr! Unsere kleine Gruppe, bestehend aus Paddlern der Region Thüringen und einigen Paddlern aus den alten Bundesländern, die sich uns angeschlossen haben, paddelten wir in 7 Tagen auf 11 Flüsse. Dank der guten Wasserstände kamen alle auf ihre Kosten und wir fanden alle Flüsse gut gefüllt vor. Die Flussabschnitte und Flüsse auf meiner Internen „Best of Liste” lagen immer im obersten Schwierigkeitsgrad. Presswasser, steile Katarakte und Wasserfälle verlangten meinen Begleitern alles ab.
Aber auch ich musste bei einigen Befahrungen tief in meine Trickkiste fassen um nicht aus meinem Boot zu fallen. Wir konnten in diesem Jahr auch auf Flüsse gehen die in den vergangenen Jahren meist trocken waren, wie z.B. die „Calasima”, ein Flüsschen im Schwierigkeitsgrad 4-6, den auch ich in 14 Jahren nur 3x paddeln konnte. Die „Calasima” entspringt weit oben in den über 2.000 Meter hohen Bergen Korsikas. Deshalb war der Einstieg auf ca. 1.200 Metern kein Zuckerlecken. Es war Kalt, der Bach war eisig und die ersten Kilometer schlängelt sich der Bach unspektakulär durchs Kiesbett, bis er sich weiter und weiter ins Grundgestein eingräbt und wundervolle Landschaften, Rutschen und Wasserfälle in hunderten von Jahren erzeugte. Aber auch auf dem Rizzanese mit seinen bis zu 12 Meter hohen Wasserfällen, die ich immer wenn die Wasserstände es zu ließen befahren habe, haben alle Paddlerherzen schneller geschlagen. Bei den einen vor den hohen Stufen und Wasserfällen und bei den anderen vor Entzügen, in solch einer Landschaft paddeln zu dürfen.
All diese Abenteuer wurden in diesem Jahr von einem Mittpaddler auf Video fest gehalten und wir dürfen gespannt sein, wo Ben Jung diese Aufnahmen veröffentlichen wird. Ben wurde sowohl 2008 als auch 2009 beim “Internationalen Kayakilmfestival” in Rosenheim für seine Kajakfilme mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Aber auch beim ZDF ist Ben Jung nicht unbekannt. Hier gewann er den ZDF VJ-Awards. Auf seiner Webseite, FullOnKayaking.com, veröffentlicht er seine kleinen Meisterwerke, wie z.B. Filme vom „SickLine Rennen”, eine Befahrung der „Auerklamm” in Österreich und auch den ausgezeichneten Kajakfilm aus Uganda. Ich hoffe, dass auch er vom Korsika-Tripp berichtet, vielleicht auch nur, damit man einen Einblick in die wunderbare hochalpine Inselwelt bekommt, damit unsere empfindliche Natur noch mehr geachtet und erhalten wird. Strom ist zwar wichtig, auch für die Bergdörfchen auf Korsika, aber kommerzielle Interessen vor unsere Natur zu stellen, halte ich für einen Fehler. Man sollte immer gut abwägen, ob der finanzielle Nutzen im Vordergrund stehen sollte, oder ob unsere Natur für nachfolgende Generationen erhaltenswert ist.
Text: Ronald Krummrich
Bild 1: „Rizzanese-Fall”
Bild 2: Ronald Krummrich, am großen „Rizzanese-Fall” ca. 11 Meter
Bild 3: Ben Jung, am Wasserfall des Flusses „Fium Orbo” mit dem Namen „Rakete”
Bild 4: Ben Jung, am Wasserfall des Flusses „Asco”
Bild 5: Ronald Krummrich, an einem der vielen Fälle auf der „Calasima”
Vielen Dank für die Unterstützung:
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