
Wie schon einige Male zuvor an dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die Talsperrenprojekte auf dieser Welt und insbesondere auf Korsika aufmerksam machen. Am Rizzanese wird durch die EDF / Electricite de France ein Kraftwerk gebaut, welches nie die versprochene Produktivität erreichen wird, auch ohne klimatische Veränderungen der nächsten Jahre. Vielmehr ist es seit vielen Jahren ein politisch motiviertes Thema.

Auf der einen Seite stehen die Kraftwerkbetreiber EDF, der französische Staat sowie die Industrielobbies (Beton, Turbinen usw.) auf der anderen die Bewohner der Insel und der Umgebung, Umweltorganisationen und einzelne Aktivisten und Kanusportler. Ein wahrlich ungleicher Kampf, zumal auf Korsika vergleichsweise wenig Menschen wohnen. Unverhältnismäßig erscheinen die Dimensionen. Mit geschätzten Kosten von 150 Millionen Euro und einem prognostizierten Jahresproduktion von 80 GWh würde gerade einmal 4% des Strombedarfs der „Ile de beauté“ gedeckt, so der WWF. Dabei stehen die Produktionskosten in keinem Verhältnis zu denen eines konventionellen Kraftwerks. Auf der anderen Seite zerstört der Damm den unvergleichlichen Reichtum an Flora und Fauna des Rizzanese.

Die ökologische Durchlässigkeit für wandernde Fischarten, wie Aal und Forelle, wird komplett zerstört, denn die versicherte Restmenge Wasser wird nicht für einen fließenden Fluss reichen. Das Wasser wird wohl auf halber Strecke versickern. Die Grundlage für Kanusport, Sportfischerei und ein Bad an einem warmen Sommertag gehören damit der Vergangenheit an.

Dennoch waren wir auch in diesem Frühjahr wieder auf Korsika um unseren Hobby zu frönen und der Bevölkerung von Korsika zu zeigen, dass sie nicht allein ist. Auch wenn dieses Projekt nicht mehr verhindert werden kann und die Schäden im Tal offensichtlich sind.

Wir waren auch in diesem Jahr ein letztes Mal im Rizzanesetal, um unvergessliche Bilder vom Codi und dem Rizzanese zu schießen und für immer in unseren Gedanken und auf der Festplatte zu speichern.

Ich führe nun seit mehr als 10 Jahren kleine Kajakgruppen auf den Flüssen Korsikas, vieles habe ich dort schon gesehen.

Eine riesig große neue Straße anstatt der idyllischen Bergstraßen, kleinere Kraftwerke an verschieden Flüssen, die Veränderung an der Natur Korsikas und wilde Mülldeponien, die auftauchten und wieder verschwanden. Ich hoffe, dass es sich für alle Korsikaliebhaber noch lange lohnen wird, jedes Jahr auf´s neue um die Osterzeit auf Korsika ein paar Tage zu verweilen.
Fotos: Ronald Krummrich und Peter Weide
Text: Ronald Krummrich